Rentenlücke berechnen

So berechnest du deine Rentenlücke

Wie viel Rente brauche ich im Alter, um ein sorgenfreies Leben führen zu können? Das ist eine der wichtigsten Fragen, mit der sich viele Menschen heute beschäftigen. Eine Möglichkeit, um sicherzustellen, dass du mit deiner Vorsorgeplanung auf dem richtigen Weg bist, ist die Berechnung deiner Rentenlücke. Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Geldbetrag, den du im Alter benötigst und dem Betrag, den du mit deiner aktuellen Vorsorge erhältst. Anhand dieser Berechnung kannst du feststellen, wie viel mehr du sparen müsstest, um deine Wunschrente zu erreichen.  

 

Warum ist die Berechnung der Rentenlücke so wichtig?

Leider liegt unsere ausgezahlte Rente häufig unter dem, was wir uns wünschen. Dies kann dazu führen, dass du deinen heutigen Lebensstandard im Alter nicht mehr fortführen kannst. Viele Frauen sind darüber hinaus sogar ernsthaft von Altersarmut betroffen. Im Jahr 2021 war jede fünfte Frau über 65 armutsgefährdet. Das heißt, die ausgezahlte Rente liegt unter dem Schwellenwert der Armutsgefährdung. Dieser Schwellenwert betrug 2021 für eine alleinlebende Person in Deutschland 1.251 Euro netto im Monat. Die höhere Gefährdung von Frauen zur Altersarmut, erklärt sich durch den Gender Pension Gap, der die geschlechtsspezifische Rentenlücke von Frauen im Vergleich zu Männern, beschreibt.

Hinzu kommt in Deutschland der sogenannte demografische Wandel. Dieser bedeutet, dass der Altersdurchschnitt steigt, während die Geburtenrate sinkt. Dadurch lässt sich einigermaßen sicher prognostizieren, dass du eine deutlich geringere Rente beziehen wirst als deine Eltern heute. Bis 2030 soll das Rentenniveau auf 43 Prozent abgesenkt werden. Das heißt du erhältst nach 45 Beitragsjahren 43 Prozent deines durchschnittlich gezahlten Einkommens.

 

Rentenlücke berechnen

Dieses Wissen um die Rentenlücke soll die keine Angst machen. Nur wenn du die Fakten kennst, kannst du deine eigene Rentenlücke verkleinern. Wie das genau geht, darauf gehe ich später noch ein.

Nun wollen wir zuerst deine aktuelle Rentenlücke berechnen. Dazu ist es wichtig, dass du deine Renteninformation verstehst.

 

Renteninformation verstehen

Deine Renteninformation erhältst du, wenn du mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rente eingezahlt hast und 27 Jahre alt bist. Die Renteninformation gibt dir u.a. Auskunft über deine künftige Altersrente.

 

Renteninformation Muster

Renteninformation Muster

 

In der als Bespiel gezeigten Renteninformation beträgt die Höhe der künftigen Altersrente 1.274,28 Euro, wenn du weiter so viel verdienst wie bisher. Künftige Einkommenssteigerungen werden dabei nicht beachtet.

Im darauffolgenden Absatz „Rentenanpassung“ erfährst du, wie deine Rente bei einer jährlichen Anpassung von 1 oder 2 Prozent ausfallen würde. Diese Steigerungen sind jedoch nicht garantiert.

Der Absatz „Rentenanpassung, Kaufkraft und Inflation“ informiert dich darüber, dass deine 100 Euro Rente heute zum Renteneintritt bei einer Inflationsrate von 1,5 Prozent nur noch 80 Euro wert sind. Das heißt dein Geld verliert real an Kaufkraft, was du in deine Berechnung mit einbeziehen musst. Die 1.274,28 Euro wären also bei Rentenbeginn nur noch 1.019,42 Euro wert. [80 Prozent * 1.274,28 Euro = 1.019,42 Euro]

 

Was bleibt nun von der ausgezahlten Rente übrig?

Unsere Rente wird ab dem Jahr 2040 mit dem persönlichen Einkommensteuersatz voll versteuert. Danach gehen noch die Sozialabgaben wie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ab. 50 Prozent der gesetzlichen Krankenversicherung werden derzeit von der Rentenversicherung übernommen, das heißt 14,6 Prozent musst du noch zahlen. Für die Pflegeversicherung fallen 3,05 Prozent bzw. 3,4 Prozent für Kinderlose an.

Du kannst erkennen, dass die gesetzliche Rentenversicherung nicht sonderlich hoch ist. Darüber hinaus kann es sein, dass das Renteneintrittsalter von 67 noch weiter ansteigt. Ist dies der Fall und du möchtest trotzdem davor in Rente gehen, so musst du mit weiteren Abschlägen rechnen.

 

Wie groß ist nun deine Rentenlücke?

Um diese Frage nun final zu beantworten, musst du wissen, wie viel Geld du im Alter benötigst. Schätzungen gehen dabei davon aus, dass wir etwa 80 Prozent unseres aktuellen Nettoeinkommens benötigen, da unsere Fixkosten in der Regel niedriger sind. Die Kinder sind aus dem Haus, der tägliche Weg zur Arbeit entfällt, falls es ein Eigenheim gibt, ist dieses häufig zur Rente abbezahlt.

Angenommen du hast heute also ein Nettoeinkommen von 3.000 Euro, dann benötigst du in der Rente für einen ähnlichen Lebensstandard 2.400 Euro. Da diese 2.400 Euro bis zum Rentenbeginn aber auch an Kaufkraft durch die Inflation verlieren, musst du sie auf deinen Rentenbeginn anpassen. Um dies zu berechnen nutzt du am besten meinen Zinseszinsrechner. Lass dich von der umgekehrten Inflation nicht verwirren, da der Rechner normalerweise andersherum für Investitionen gedacht ist. Folge einfach der Anleitung:

Trage im Zinseszinsrechner bei Einmalzahlung deine gewünschte Rente von beispielsweise 2.400 Euro ein. Danach setzt du die Sparrate auf 0 Euro, die Inflation auf 0 Prozent, die jährliche Verzinsung auf 1,5 Prozent (als Ersatz für die „ansteigende“ Inflation) und schiebst den Regler für den Investitionszeitraum auf die Zeit bis zum Rentenbeginn. In unserem Beispiel sind das von 2023 bis 2038 noch 15 Jahre. Um eine Kaufkraft von 2.400 Euro von heute zu haben, bräuchtest du dementsprechend im Jahr 2038 ein Einkommen von 3.001 Euro.

Du könntest auch die 2.400 Euro aufzinsen (zum Beispiel per Excelformel). Das heißt 2.400 * 1,015^15 rechnen. Dabei kommst du auf den gleichen Wert von 3.001 Euro.

Möchtest du das Ganze für eine höhere oder niedrige Inflation haben, musst du anstatt der 1,5 Prozent diese einsetzen.

Im letzten Schritt berechnest du nun für deine Rentenlücke die Differenz aus deiner Wunschrente und deiner prognostizierten Rente laut Renteninformation nach Kaufkraftverlust. Heißt:

3.001 Euro abzüglich 1.019,42 Euro entspricht 1.981,58 Euro Rentenlücke.

Falls die Rente tatsächlich um jährlich 2 Prozent auf 1.710 Euro angepasst wird, entsprechen diese zum Rentenbeginn 1.368 Euro. Damit wäre die Rentenlücke noch bei 1.633 Euro, die du in diesem Beispiel durch private Vorsorge abdecken müsstest.

 

Wie kann ich meine Rentenlücke schließen?

Um deine Rentenlücke zu schließen, hast du verschiedene Möglichkeiten. Ich empfehle dir eine Kombination aus privater Rentenversicherung (zum Beispiel eine ETF-Rentenversicherung) und einem ETF-Sparplan.

 

Private Rentenversicherung

Eine private Rentenversicherung hat den Vorteil gegenüber einem Direktinvestment in ETFs, dass dir die Versicherung eine lebenslange Rente garantiert und sich um die Anlage des Kapitals kümmert. Damit schließt du das Risiko aus, dass du zu Rentenbeginn vielleicht eine schlechte Marktphase erwischst und dein investiertes Geld womöglich zu früh aufgebraucht ist. Nachteilig ist, dass du dafür höhere Gebühren als bei einem ETF-Sparplan zahlst.

 

ETF-Sparplan

Bei einem ETF-Sparplan musst du dich selbst um dein Investment kümmern. Das heißt du musst dir Wissen darüber aneignen, welche ETFs am geeignetsten sind, musst ein Depot eröffnen und dich mit Entnahmestrategie beschäftigen. Das Risiko ist auch höher, da wie gerade schon geschrieben, ein Börsencrash kurz vor Rentenbeginn deine Entnahmen gefährden kann.

Ein ETF-Sparplan ermöglicht dir dafür aber eine viel höhere Flexibilität. Beispielsweise wenn du schon vor dem Renteneintrittsalter kürzer treten oder mit der Arbeit aufhören möchtest. Eine frühzeitige Entnahme ist bei einer Rentenversicherung nur unter Gebühren möglich, bei einem Direktinvestment in ETFs dagegen kein Problem.

 

Kombination aus privater Rentenversicherung und ETF-Sparplan

Für mich ist die Kombination beider Möglichkeiten die beste Lösung. Mit der privaten Rentenversicherung hast du eine planbare und garantierte lebenslange Altersvorsorge zur Abdeckung deines Lebensstandards. Mit dem ETF-Sparplan kannst du Eigenkapital aufbauen und dieses für Reisen, die Instandhaltungen des Eigenheims oder für andere zusätzliche Wünsche verwenden.

Wenn du mehr zum Thema Direktinvestments in ETFs erfahren möchtest, dann lade dir jetzt einfach meinen kostenfreien „5-Schritte-Fahrplan zum ersten Börseninvestment“ herunter.

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